Schatten der Vergangenheit …

In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg war man weniger mit der Aufarbeitung, der noch recht jungen Vergangenheit, beschäftigt, sondern mehr mit der Kaschierung diverser Strukturen. Schnell stellte man Persilscheine aus, wählte aus dem Heer der Täter einige aus, verurteilte jene, ließ jedoch Gnade vor Recht walten und verkürzte im Nachhinein Haftzeiten etc. pp. Ärzte, die einst in Lagern dienten, konnten ein paar Jahre später teils wieder praktizieren, Politiker wurden mitunter stante pede in Amt und Würden übernommen, viele wußten die Strukturen des Regimes auch in demokratischen Gefilden zu ihrem Vorteil einzusetzen. Die Beispiele sind Legion, ein Blick in die Nachkriegsgeschichte dieses Landes läßt Abgründe erblicken. Über eine Dekade später, in den 60ern, sprach man schon vom «braunen Spuk» in der Bevölkerung, witzelte teils darüber, relativierte gar. Auch damals schon wurde der Ruf laut, endlich einmal die Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen und dies gerade einmal 10–15 Jahre später.

Doch dieser «braune Spuck» war äußerst real, es waren keine einzelnen Personen, es war keine Gruppe, es war die Gesellschaft die sich zu diesem manifestierte und es nie wirklich Verstand sich einer konsequenten Aufarbeitung der Vergangenheit zu stellen. Die Studentenbewegung der 60er Jahre war die Antwort auf diesen heuchlerisch-bigotten Habitus der vorherigen Generation. Zwar konnte diese nie wirklich Momentum erlangen, dennoch zeigte diese Bewegung diverse Probleme auf, Probleme die als ursächlich für diverse heute zu schauende Symptome anzusehen sind.

Aber auch heute stellen wir uns nicht der Vergangenheit, denn auch heute ist die Aufarbeitung noch mit großen Schmerzen verbunden. Weitaus genehmer ist da der Fingerzeig gegen einzelne Zeitgenossen, der Blick gen Partei, die Ernennung eines Prügelknaben und zugleich die Abstrafung von diesem. Dabei ist es die Gesellschaft per se, die diese lautstarken Gesellen hervorbringt, die Parteien befügelt so oder so zu handeln, die Gesellschaft verschafft diesen Gruppen oder einzelnen Personen die Legitimation, stellt die Persilscheine aus. Sicherlich, wir leben heute im Jahr 2010, anno 1960 waren gänzlich andere Äußerungen möglich, auch in demokratischen Gefilden. Was man damals noch frei heraus sagen durfte bzw. konnte, daß muß heute in einer «politisch korrekten» Verpackung dargereicht werden, die Inhalte jedoch sind ähnlich radikaler Natur wie eh und je. Randgruppen jedweder Couleur erfahren in diesem Land einzig eine Duldung, solange es der Gesellschaft «gut» geht und diese Randgruppen ihren Nutzen erfüllen. Doch wann geht es der Gesellschaft gefühlt «gut»? Und was erst geschieht in einer Krise? Bei letzterer frönt das Gros einzig dem Ego, spricht dem Gegenüber Rechte ab, ja gar die Existenzberechtigung. Folklore kompensiert in jenen Zeiten die Unwissenheit.

Wenn also im Moment ein «brauner Spuk» die Genossen heimsucht, so ist das sicherlich ein Grund für eine erhöhte Aufmerksamkeit, jedoch ist es dies sicherlich kein Grund abermals einen Prügelknaben zu bemühen, um von den Problemen der Gesellschaft abzulenken.

Posted in Uncategorized | Tagged , , , , , | Leave a comment

NASA Crowdsources Historic Image Archive Data

Orbiter Atlantis (STS-110) Launch With New Block II Engines

NASA just added hundreds of images to The Commons area on the photo sharing site Flickr, and is looking for a little crowd-sourcing help to add data to the images.

Universe Today

Posted in Uncategorized | Tagged , , , , | Leave a comment

ALG II: urban legends entmystifiziert …

Lang ist die Liste der urban legends, welche um ALG-II-Empfänger gesponnen werden. Im Frühjahr diesen Jahres, erfuhren diese einen erneuten Höhepunkt in Form von Westerwelles Tiraden, gegen die Schwächsten dieses Landes. Der hoi polloi ereiferte sich, die Medien erfreuten sich ob der gestiegenen Quote und trieben einen «Diskurs» auf Basis von Folklore voran.

Gestern nun veröffentlichte SPON die Ergebnisse einer Studie und o Wunder: ALG-II-Empfänger sind engagiert und keineswegs jene vermeintlichen Nassauer. «Alle Welt jubelt» und doch machen sich schon die ersten Zweifel breit, denn wieviel Wert besitzt eine Studie, bei der die Betroffenen höchstselbst befragt werden? Nun abgesehen davon, daß diverse statistische Mittel existieren, um falschen Angaben bis zu einem gewissen Grad zu begegnen, existiert auch eine Studie von März diesen Jahres, die ALG-II-Empfänger als äußerst engagiert einstuft. Diese Studie wurde von der Bundesagentur in Auftrag gegeben und basiert auf eigenen Daten.

Und um der Mär um den vermeintlich hohen Mißbrauch endlich den Garaus zu machen, auch hierfür existieren Zahlen der BA: «Die Bundesagentur für Arbeit warnt laut «Süddeutscher Zeitung» davor, die Missbrauchszahlen überzubewerten. Leistungsmissbrauch sei in Relation zu der Anzahl der Hilfebedürftigen und den Gesamtausgaben relativ gering verbreitet.»

Was bleibt ist der Geifer, der noch von den Lefzen diverser BILD-Leser und anderer Unsympathen rinnt, beispielsweise jenen in der Politik oder in den Medien. O tempora, o mores … wenn nicht einmal mehr jemand in der Lage ist Mensch zu sein gegenüber seinem Nächsten, selbst in Stunden der höchsten Not.

Posted in Uncategorized | Tagged , , , , , , | 1 Comment

ripple

Grateful Dead, ripple

Posted in Uncategorized | Tagged , , , | Leave a comment

the real value of social networking

[…]It makes me feel like everything I’ve posted over the past four years on Twitter, Jaiku, Friendfeed, Plurk, Pownce, and, yes, Google Buzz, has been an immense waste of time. I was shouting into a vast echo chamber where no one could hear me because they were too busy shouting themselves. All this time I’ve been pumping content into the void like some chatterbox Onan. How humiliating. How demoralizing.

Thank god the content I deem most important, my Internet and broadcast radio shows, still stand. I believe in what I’m doing there, and have been very fortunate to have found an audience. But I feel like I’ve woken up to a bad social media dream in terms of the content I’ve put in others’ hands. It’s been lost, and apparently no one was even paying attention to it in the first place.[…]

via leoville

Couldn’t agree more. This is also more or less my experience after yielding a plethora of content to the «social networking void». Sometimes I wonder why I’m doing this? Is it the hunger for some weird «attention» or is it just something like «howling with the pack»? I’m glad to have this place of my own since almost seven years — once a regular homepage, a weblog since a while, I’m happy to have the possibility to post on F!XMBR since almost four years. But sometimes I’m looking back and see this huge void, that consumed lots of nonsense, however parts of it were valuable content.

Posting to this so-called «social network» is like an addiction, you can take a «vacation», but you’ll never really stop coming back. Take it for granted, this «social networking void» will eat your content and at the eve you’ll have nothing left at all. I do not have any guarantees, that this place will last forever, but at least I’m the keeper of my own content for the time being.

Posted in Uncategorized | Tagged , , , , , , | 1 Comment

Quo vadis?

Eigentlich hatte ich einen Artikel vorbereitet bezüglich Geo-Daten, ich hätte diesen nur noch von Vim aus in den Editor von WordPress auf F!XMBR kopieren müssen. Nach zweimaligem Korrekturlesen überantwortete ich diesen jedoch dem digitalen Nirwana.

Gerne versehe ich selbst das eine oder andere Foto mit Geo-Daten oder archiviere gelegentlich mittels GPS abgelaufene/abgefahrene Strecken. Früher schrieb man auf die Rückseite der Bilder eventuell den Ort und das Datum, heute findet man ähnliches weitaus detailreicher in den EXIF-Daten vor. Aber wenn man die Öffentlichkeit stetig daran teilhaben läßt, liefert man quasi Bewegungsdaten frei Haus. In Zeiten jedoch von foursquare, Facebook Places1 & friends2 oder Browsern, die diese Daten unter «Usability» abhaken, welchen sich das Gros freiwillig ausliefert, ist es doch mehr müßig über die Risiken und Nebenwirkungen zu sprechen. Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen, die «Vorratsdatenspeicherung» kommt so oder so, Spaß und Komfort ebnen den Weg.

Bin gespannt wie einige Organisationen bzw. Parteien diesem Umstand begegnen werden? Wird man resignieren oder weiterhin gepflegt einerseits die Begehrlichkeiten Vater Staats abstrafen, andererseits jedoch den suggerierten Spaß und Komfort seitens der von Konzernen gepflegten Vorratsdatenspeicherung ignorieren?

Ich bin sicherlich kein Spielverderber, aber viele sind sich nicht einmal ansatzweise im klaren darüber, was Vorratsdatenspeicherung en detail bedeutet. Es mag dem Zeitgeist geschuldet sein, den Staat per se mit Argwohn zu überhäufen, genug Anlaß bietet dieser ohne Frage. Aber es ist äußerst sinnbefreit, wenn man ob dieser «blinden Wut», die tatsächliche Problematik außen vor läßt, denn der Staat ist nur ein Teil dieses Komplexes.

  1. einige zetern tatsächlich über Places, nutzen jedoch andererseits Foursquare []
  2. identi.ca, Twitter, Google, nahezu alles was sich unter «social web» vereint usw. []
Posted in Uncategorized | Tagged , , , , , , , , , , , | 1 Comment

verkehrte Welt

Im Moment brodelt es gewaltig in Deutschen Landen. Streetview ist der Grund und Googles Allmachtsfantasien die Ursache. Doch darum soll es hier nicht gehen. Vielmehr interessieren die Begriffe «Datenschutz» und «ökonomische Interessen». Letzteres ist schnell abgehandelt, wer die Wirtschaft vor den Menschen stellt schließt sich in meinen Augen als Diskussionspartner stante pede aus. Die Wirtschaft dient ebenso wie die Technologie dem Menschen und nicht vice versa.

Der andere Punkt ist dieser oft propagierte «Datenschutz». Es ist in meinen Augen der falsche Ansatz zum einen Daten schützen zu wollen, zum anderen ist es befremdlich, wenn man den Mensch dahinter vernachlässigt. Hinter zu schützenden Daten stehen Menschen und wenn diese Daten erst einmal angehäuft wurden, dann ist es längst zu spät. Es gilt ein Plus an Daten zu vermeiden, denn einmal im Umlauf, wecken diese Begehrlichkeiten und der Kolateralschaden ist quasi vorprogrammiert.

Stetig abstrahiert werden diese angehäuften Daten mehr und mehr als abstraktes Gebilde gehandhabt, losgelöst von den Menschen dahinter. Fehlen jedoch eben diese, so läuft man Gefahr die Würde dieser Zeitgenossen indirekt herabzusetzen. Den Daten per se macht vieles nichts aus, doch sind es oft jene «Kleinigkeiten», die dem Menschen die Privatsphäre oder gar die Würde nehmen können.

Posted in Uncategorized | Tagged , , , , | Leave a comment

Menschliches Wirken

An dem Eingang der Bahn liegt die Unendlichkeit offen,
doch mit dem engesten Kreis höret der Weiseste auf.

–Friedrich Schiller

Bild: Stonehenge, akephalos.de

Posted in Uncategorized | Tagged , , , , , | Leave a comment

die Zukunft der hölzernen Medien

Print is not dead. It is not even dying, at least not yet. Think of print like an overweight beast, shedding excess weight. The result is a leaner, more defined, more beautiful experience. What we buy in print will be increasingly valuable as readers shift to the digital realm — and they are shifting so amazingly fast, it’s almost terrifying.

Booksquare

Und damit meine ich keineswegs Zeitungen, sondern die Druckerzeugnisse per se im Zeitalter der «Ebook-Schwemme». Qualität statt Quantität, was im Druck veröffentlicht wird, muß einem Mindestmaß an Qualität genügen, alles andere fliegt in die Tonne wird als Ebook verarbeitet. Ein sehr informativer Artikel, den man unbedingt gelesen haben sollte :-)

Posted in Uncategorized | Tagged , , , , , , , , | Leave a comment

Google: gestern noch Datenkrake, heute Spielzeug des Nerds

«Gestern» noch war Google als Datenkrake verschrien, dabei ging es einst «nur» um die Suchmaschine per se. «Heute», heute da ist Google omnipotent, ja gar omnipräsent zugegen — in der digitalen, wie auch analogen Welt. Problem: heute da ist Google des «Nerds» liebstes Spielzeug, die Vorwärtsverteidigung einiger läßt schon Anzeichen des Stockholm-Syndrom erahnen, andererseits ist «Schaum vorm Maul» auf der Gegenseite keine Antwort.

Jedoch Google ist nicht das eigentliche Problem. Google ist schlicht ein Konzern, der eben dies macht, was in der Natur solcher Konzerne liegt: Geld verdienen, Gewinne erwirtschaften, expandieren. Tatsächliches Problem hingegen ist Googles Kerngeschäft: Daten. Da geht es nicht um Automobile, Kaffeebohnen, sondern Daten. Daten also, eben eines der wertvollsten Güter heutzutage. Daten die Begehrlichkeiten wecken, welche wir ansonsten im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung nur allzugerne vermeiden möchten.

Die Gefahr von Datenmissbräuchen sowie die Möglichkeiten, Rückschlüsse auf intime Details, Aufenthaltsorte, Gewohnheiten und Vorlieben im Leben jedes einzelnen Bürgers zu ziehen, stehen in keinem Verhältnis zu dem möglicherweise im Einzelfall bestehenden Vorteil bei der Strafverfolgung.

Derart folgerte der CCC anno 2009 in einem öffentlichen Gutachten. Nun, um was geht es uns eigentlich? Lassen wir mal die recht infantile Argumentation mit einer durch und durch antiquierten «Panoramafreiheit» außen vor, welchen ihren Einstand im 18./19.Jhd feierte und beschäftigungen wir uns mit der Realität: initial ging es uns um die Vermeidung einer Datenflut. Wo stehen wir heute? Google und auch andere sammeln wie die Besessenen Daten aller Art, es wird fotografiert, seitens WLan «kartographiert», man reicht hoch detailierte Satellitendaten umher, die Rückwärtssuche im Telefonbuch ist Alltag, Kameras prangen in jeder Ecke, Kommunen laben sich am Adresshandel, GEO-Informationen jedweder Art stehen zu Verfügung etc. pp. mittels eines simplen Mashups ist längst die lückenlose Überwachung vieler möglich.

War dies unser Ziel? Oder ging es uns nur um die Kampagne gegen «SSchäuble», «Zensursula» & Co? War es nur die Angst vor einem Staat, der in etwas Einblick erhalten könnte, daß wiederum unseren Blicken entzogen blieb? Und sobald Konzerne wie Google, Microsoft usw. zum datentechnischen Halali blasen und mit der Partizipation an dieser Datenflut locken, zieht der «Nerd» sogleich seinen ganz persönlichen trojanischen Datengaul in sein Heim.

War es das tatsächlich? Panem et circenses, doch nur eine von Spaß durchwirkte Gesellschaft, die sofort alle Schranken fallen läßt, genügt denn etwas dem eigenen Interesse? Google mag ein markanter Aufhänger sein, aber es dürfte wohl jedem klar sein, daß es um mehr geht. Es geht um Rahmenbedinungen, die nicht ökonomischer Effizienz geopfert werden, sondern Gemeinschaft und Individuum gleichermaßen dienen. Der Mensch genießt die Priorität, wenn wir das einmal als Gesellschaft verstehen, dann werden wir sicherlich auch mit einem Plus an Daten umzugehen wissen. So aber bleibt erst einmal die Beschränkung …

Posted in Uncategorized | Tagged , , , , , , , | Leave a comment