retrospectare

Ich schaue gerne zurück, ich habe gelernt dies professionell zu tun, allerdings auch unter Zuhilfenahme eines gehörigen Abstands. Warum? Nun Abstand trägt zu mehr Objektivität bei, zumindest einer Annäherung an diese, denn tatsächliche Objektivität existiert nur in den Lehrbüchern. Dennoch oder vielleicht gerade aus diesem Grund vermeide ich diese rituellen Jahresrückblenden, die mittels Humor versuchen Abstand zu heucheln bzw. vice versa eine besondere Nähe seitens einem Übermaß an Empörung und/oder Anteilnahme vorgaukeln. Dieses recht simple Strickmuster liegt mir einfach nicht, zudem kann ich mich innerhalb dieses Zeitfensters doch noch recht gut auf mein eigenes Erinnerungsvermögen verlassen, selbst en detail.

Viele Zeitgenossen aber werden sich auch dieses Jahr nicht davon abbringen lassen, mir gegenüber dieses eine oder andere rückblickende Schmankerl feilzubieten. TV/Print ist kein Thema für mich, besonders nervende Vertreter des WWW ignoriere ich geflissentlich, aber sonst? Manchmal kommt die Jahreswende einem Spießrutenlauf gleich, bei dem man versucht all diesen in jüngster Zeit geborenen Riten zu entfleuchen. Waren es früher nur jene Öffentlich-Rechtlichen und die Vertreter des Prints, legten die Privaten später noch zu und der Multiplikator WWW verdichtet inzwischen diese Litanei auf ein beihnahe unerträgliches Maß. Mein Refugium in dieser Zeit ist mehr und mehr die Offline-Welt, zumindest bis sich die Wogen geglättet haben und sich der Alltag wieder manifestiert hat.

Ein ganzes Jahr genießt man dann wieder relative Ruhe, der in dieser Zeit übliche mediale Noise ist nichts gegen diese Tage …

Allen anderen, die ein Aus nehmen, wünsche ich schon vorab ein Prosit Neujahr :-)

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2 Responses to retrospectare

  1. Noch Ende November war ich mir beinahe sicher, daß ich im Dezember viel bloggen würde. Themen lagen und liegen im Browser herum und das Jahresende tut ein Übriges, um eigentlich produtkiv sein zu können. Dann passierte aber das Unerwartete. Ich las mehr und mehr Bewertungen des alten Jahres, ich las über die Gegenwart und die Zukunft von Social Media, nahm wahr, dass die meisten Menschen die Ereigenisse der letzten 12 Monate gut hiessen, las weiter über Politik, die SPD, Schwarz-Gelb, Afghanistan und und und. Und nach etwa einem Kilogramm (oder alternativ nach einigen Megabyte) Beiträgen staute sich in mir ein Gefühl der Abneigung auf und ich wollte partout meinen Senf nicht auch noch dazu geben. Nicht, dass es nicht genügend (neue oder nicht dargestellte) Ansatzpunkte geben würde. Nein, eigentlich könnte ich gefühlt den allermeisten Artikeln entweder insgesamt widersprechen oder ich würde zumindest einige Anmerkungen machen wollen. Das würde aber einfach nur Vergangenheit wiederkäuen. Ich würde Diskussionen aufwärmen, ich würde Gedanken recyclen. Das will ich aber nicht. Obwohl ich schon denke, dass man Vergangenes erstmal analysieren sollte, bevor man sich einer besseren Zukunft zuwenden kann, möchte ich in diesen Tagen einfach nur noch anfangen mit Zukunft. Ob Social Media eine Zukunft hat und wenn ja, dann welche oder die SPD, was vom Gefasel des Herrn Döpfner und seiner Kumpanen zu halten ist und und und, all das wird sich erst in der Zukunft ergeben. Und ich bin neugierig auf diese Zukunft. Professionelles Diskutieren habe ich ein wenig satt. Wie war das noch? Es gibt nichts Gutes, außer man tut es? Könnte man das doch mal so einigen Menschen ins Stammbuch schreiben (einige Adressaten fänden sich weiter oben im Text) ;) ..

    Ich wünsche Dir einen guten Rutsch ins neue Jahr. Möge Dir und Deinen Lieben Gesundheit treu bleiben und sich das Leben auch im neuen Jahr einfach gut anfühlen, wenigstens meistens. Dein Blog gefällt mir sehr gut und ich hoffe natürlich ganz eingennützig auf viele neue und interessante Beiträge abseits vom Einerlei des sonstigen Wortbreis, der aus Zeitungen, Blogs und sonstigen Quellen tagtäglich herausfällt.

  2. Pingback: 26C3: Fnord-Jahresrückblick 2009 » F!XMBR

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