quo vadis Demokratie?

Betrachtet man das Athener Scherbengericht oder die attische Demokratie zu Zeiten Solons, so schauen wir die einstigen zarten Anfänge einer beginnenen Herrschaft seitens des Volks. Viele hunderte Jahre mußten jedoch noch verstreichen, bis man sich auf dieses noble Ansinnen zurückbesann, daraus lernte, darauf aufbaute, Schritt für Schritt ein Mehr an Volksherrschaft wagte.

Was aber gewann man tatsächlich? Heutige Demokratien definieren sich seitens einer massiven Delegation, die Entscheidungsgewalt des Einzelnen wurde — notwendigerweise — abstrahiert. Abstrahiert bis zu einem Punkt des profanen Ankreuzens am Wahltag unter der Prämisse sich zuvor eingehend informiert zu haben. Derart präsentiert sich das Gros des heutigen Volkes. Mit dieser vollzogenen Abstraktion ging jedoch eine Zäsur einher, welche Volk zum zahnlosen Papiertiger verkommen ließ — man könnte schon beinahe vermeinen oligarchische Strukturen zu schauen.

Notwendig ist eine gewisse Abstraktion sicherlich, nicht alle können gleichsam partizipieren. Kommunen, Länder und der Bund sind hierzulande der einzig gangbare Weg hin zu einer volksnahen Demokratie — der sogenannten direkten Demokratie1 . Während auf kommunaler Ebene zumindest noch wenige um ihre Möglichkeiten wissen, ist es auf Länderebene oder gar Bundesebene eher schlecht als recht bestellt.

Der Bürger hat in der Regel nur begrenzten Einfluß auf die zur Wahl stehenden Parteien, kann sich allenfalls mittels Petitionen Gehör verschaffen, Abgeordnete ansprechen etc. pp. — aber alles mehr gemäß «Hallo, wir das Volk möchten auch mal etwas sagen.» Daß man darüber hinaus jedoch heutzutage häufig die biedermeiersche «Defensive» bevorzugt und nicht einmal mehr die Möglichkeiten der direkten Mitarbeit in Parteien oder Bürgerrechtsorgansisationen nutzt läßt tief blicken — zumindest das Jammertal der Deutschen Parteilandschaft geht gerade so noch als Entschuldigung durch.

Eine gelebte Demokratie bedarf der aktiven Mitarbeit — nicht nur des ausgiebigen Zeterns. Und diese Mitarbeit kostet Zeit, Zeit die man nicht mittels weiterer Delegationen kompensieren darf, sonst besteht die Gefahr in völliger Unmündigkeit zu enden, in einer diktierten Demokratie und Freiheit zu verweilen, wie wir diese mehr und mehr erfahren in diesen Zeiten. Per aspera ad astra oder wie des Deutschen Liebling Angela Merkel einst kündete: Wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit. Und dies sollten wir uns immer vergegenwärtigen …

Bild: Demos gekrönt von Demokratie

  1. direkte Demokratie ist in ihrer Gänze selbstredend mehr — weitaus mehr, hier schauen wir nur blaß ausgebildete Fragmente []
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7 Responses to quo vadis Demokratie?

  1. Aktive Mitarbeit würde arg benötigt. Vor einiger Zeit lief ein Zwiegespräch per Blog-Beitrag und Kommentar darauf hinaus, dass ich mich mit Jürgen Fenn schnell darauf einigen konnte, dass es innerhalb der Gesellschaft so etwas wie eine Re-Politisierung geben müsste. Alleine: wir sahen so etwas beide nicht kommen. Was bleibt ist die bange Frage, was eigentlich passieren muss und in welchen Zeiträumen etwas passieren muss, damit die Menschen nachhaltig aufwachen.

    Die Deutschen sind wahrlich keine Revoluzzer und ich kann mir kaum vorstellen, was eigentlich genau passieren muss, damit der gemeine Bürger auf die Straße geht oder anderweitig kundtut, dass es sooo nicht geht und wie er es stattdessen haben wollen täte. Hmm ..

    • olhe says:

      >Was bleibt ist die bange Frage, was eigentlich passieren muss

      Ich habe schlichtweg keine Ahnung. Hätte vor 10 Jahren jemand den heutigen sozialen Kahlschlag, die Elitenförderung prognostiziert, jeder hätte wohl diesen Zustand als massives Wecksignal gesehen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, es geschieht nicht. Eher noch zieht sich das Gros der Bürger in ihr Schneckenhaus zurück und begibt sich zur Kompensation auf die «Funmeile».

  2. Aber genau das passiert tagtäglich. Und einerseits wird man ob der willenlosen Untätigkeit vieler ohnmächtig und manchmal auch wütend und in anderen Momenten denke ich an Situationen aus der Vergangenheit: Damals diskutierten wir über amerikanische Verhältnisse z.B. bezogen auf die working poor, die für uns damals soweit weg waren wie grüne Marsmännchen. Heute denke ich an solche Diskussionen aus einem anderen Leben und im nächsten Moment stehst Du im Supermarkt, an der Kasse, und weisst nicht recht, ob Du gerade einer Frau mit zwei Jobs gegenüber stehst, die dennoch nicht wirklich leben kann.

    Ich denke beim Schreiben dieser Zeilen an Freunde, die gesellschaftlichen Abstieg seit einigen Jahren am eigenen Leibe miterleben. Soll ich sauer sein auf sie, weil sie viel zu viel schlucken? Oder ist es nicht auch die Aufgabe einer Gesellschaft, auch denen einen lebenswerten Platz anzubieten, die eben nicht in der Lage sind, sich in einer immer unverschämter werdenden (Arbeits)Welt zurecht zu finden? Wohl gemerkt: beide haben eine gute Ausbildung, sind integriert, waren vor gar nicht so langer Zeit noch Mittelstand. Ich könnte kotzen ..

    Manchmal möchte ich mir die Ohren und die Augen zuhalten. Allerdings: Es würde (natürlich) nicht helfen. :(

    • olhe says:

      >Soll ich sauer sein auf sie, weil sie viel zu viel schlucken?

      Ja, natürlich. Denn diese Art von «Stockholm-Syndrom» gegenüber Firmen und Arbeitgeber per se hilft nicht wirklich, man verliert so oder so, dann eben auf Raten. Was dem Arbeiter/Angestellten die Firma, ist dem Selbstständigen die Arbeit/die Kunden, der er sich unterordnet. Auch dies rechnet sich auf Dauer nicht wirklich.

      Ein Plus an Miteinander wäre wohl des Rätsels Lösung, aber dies klingt gerade in kriselnden Zeiten mehr denn je nach Utopie.

  3. An diesem Punkt bin ich noch nicht. Ich arbeite selbstständig und weiß natürlich auch, dass ich auch in solchen Arbeitsverhältnissen nicht machen kann, was ich will. Ich habe bisher aber schon die Möglichkeit, mir meine Aufträge insofern auszusuchen, als dass ich die Zusammenarbeit mit manchen Zeitgenossen unterlasse. Manchmal passen Temperamente einfach nicht zusammen.

    Und ja, ich bin tatsächlich sauer, wenn ich mitbekomme, dass Leute sich herumschubsen lassen. Im nächsten Moment weiß ich aber auch, dass sich tatsächlich nicht jeder Mensch da draußen wehren kann. Man sollte schon in der Schule mehr Wert legen auf etwas, dass ich mal Selbstmanagement nennen möchte. Mit sich selber auskommen lernen und wissen, was man dafür bereit ist zu tun bzw. auch, was man dafür bereit ist hinzunehmen. Auch lernen, was man machen kann, wenn man unter Druck gerät und sich befreien muss. Mündig werden bzw. irgendwann mündig sein, das ist ein alter Begriff und doch ist er unendlich nötig und sinnvoll.

    • olhe says:

      Es beginnt ja teils schon mit recht «profanen» Dingen, wie Arbeitsschutz, Überstunden etc. pp. Zugunsten eines «sicheren» Arbeitsplatzes vergessen da viele vor Ort Dinge, wofür Arbeiter jedweder Couleur vor über hundert Jahren noch ihren Kopf hinhielten. Leute die ihr Recht einfordern, werden selbst von Kollegen als «Störer» diffamiert, Betriebsunfälle werden runtergespielt etc. pp. Alles schon viel zu häufig erlebt und ja, da fehlt ein Stück weit die Mündigkeit.

  4. Ja, der Bereich von dereinst hart erkämpften Schutzmaßnahmen (für die Arbeiterschaft), die heutzutage von dummen Menschen ohne Not wieder aufgegeben werden, das ist ein Bereich, über den ich mich prächtig aufregen kann. Da hab ich nach meinem Geschmack schon zuviel gesehen und miterleben müssen. Nur dran denken lässt meinen Magen krampfen.

    Ich versuche lieber, an was anderes zu denken. An dieser Stelle bin ich mittlerweile eher egoistisch.

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