US Politik, Obama … we can change?

… ist ganz und gar nicht mein Metier, aber ich schaue natürlich auch interessiert über den großen Teich und versuche informiert zu bleiben. Als historisch gebildeter Zeitgenosse erkenne ich auch Ähnlichkeiten Obamas zu dem Auftreten Kennedys oder Clintons, natürlich muß man derlei zeitlichen Kontext berücksichtigen, die Eckdaten stimmen jedoch überein. Relativ jung, anders – geradezu rebellisch im Auftreten, bereit zur Änderung … am System gescheitert.

Betrachte ich Obamas Team beispielsweise sehe ich mehr konservatives Kalkül, als denn we can change-Attitüde. Höflich wie ich bin belasse ich es bei dieser Umschreibung und erspare mir auch Cassandrarufe a la erinnert ihr euch noch an Schröder hierzulande und eure grenzenlose Naivität. Bei letzterem war es ersichtlich, interessierte man sich denn für Politik und insbesondere Landespolitik, bei ersterem gilt es abzuwarten. Aber viele der Versprechen die Obama bis dato einlöste sind mehr oder weniger Papiertiger, nicht wirklich griffig – gleichsam aber enorm publikumswirksam. 100 Tage gegenüber vier Jahren – geben wir ihm Zeit? Vier Jahre in denen er sich sputen muß, um seine Wähler bei Laune zu halten – denn erst nach acht Jahren könnte sich einiges an politischer Nachhaltigkeit entfalten. Insofern carpe diem

Die europäischen Gipfelstürmer der 90er versprachen ebenso sehr viel und große Teile der Bevölkerung fielen auf diese herein, ob Großbritannien, Deutschland etc. Man könnte da geradezu ein Muster ausmachen: Tony Blair und seine linke Labour Party beispielsweise – eine ebensolche Enttäuschung wie die Genossen um Schröders linke SPD. Links unterzog sich einem Wandel. Ein Wandel der auch die USA ergriffen hat? Mitnichten links ist dort verpönt, spätestens seit der McCarthy-Ära. Die Demokraten sind keine linke Partei, sie besitzen teils eine identische konservative Basis die nach außen hin ein wenig reformierter daherkommt im Vergleich zu der erzkonservativen Haltung der Republikaner. Links in etwa wäre die Green Party oder die äußerst freiheitliche Libertarian Party. Letztere nicht zu verwechseln mit unseren Liberalen der FDP – die mehr Schall und Rauch sind, denn freiheitliche Wirklichkeit.

Wie dem auch sei, linke Prinzipien oder Ähnlichkeiten zu diesen sollte man nicht bei den Demokraten suchen bzw. nicht primär, etwaige breitere Deckungsgleichheit findet man eher bei den zuletzt genannten. 1:1-Vergleiche gilt es zu vermeiden – die Kulturen sind zu verschieden und erfuhren gänzlich andere Prägungen in Form herber Zäsuren in der Geschichte. Das alles bedeutet nicht wir schauen mit Obamas Mannen einzig eine entschärfte Republikaner-Riege, aber man erspart sich große Enttäuschungen indem man politisches Lokalkolorit in den eigenen Breitengraden beläßt.

Was bleibt also ist die Hoffnung der Menschen, die Hoffnung auf Änderungen. Aber ist auch die Gesellschaft dazu bereit? Tatsächlich bereit – denn Murren alleine ist kein Signum für eben diese Bereitschaft kompromisslos Änderungen in Kauf zu nehmen. Gibts der Kompromisse zuviele, auch wenn für den Mainstream change kommuniziert wird, könnte Obama ebenso als politisches Strohfeuer enden wie beispielsweise Clinton. Ein gutes Gefühl blieb bei letzterem über, die USA stand in der Welt besser da – doch politisch ging beinahe jegliche Nachhaltigkeit verlustig. Und wieviele hoffnungsträchtige politische Strohfeuer verträgt eine Nation überhaupt?

Das Prinzip Hoffnung kann einiges bewirken, aber es kann auch den Blick auf die Realität vernebeln, wie schon oft in der Geschichte der Menschheit anschaulich vorgeführt. Insofern, we will see …

… timeo Danaos et dona ferentes.

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  1. [...] mittels Grenzdebilitäten a la SSchäuble, Stasi 2.0, etc. pp. multipliziert. Wie anders ist sonst der Hype um beispielsweise Obama bei jenen zu erklären, wenn dieser der Bush-Administration quasi eine Generalamnestie ausspricht [...]